Die Gesellschaft wandelt sich – 

„Co-Housing“ als neues Lebenskonzept

Wohnraum, vor allem in Stadtnähe, wird immer knapper und teurer. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Wir werden immer älter, die Zahl an Singlehaushalten steigt und die meisten zieht es in die Großstädte. Das sorgt dafür, dass die Wohnpreise explodieren und sich viele die Mieten kaum noch leisten können bzw. an eine eigene Immobilie kaum zu denken ist. Außerdem möchten vor allem junge Leute flexible bleiben und ein eigenes Haus oder Wohnung bindet. Gleichzeitig wird es schwieriger für Makler, Architekten und Baufirmen geeignete Grundstücke etc. zu finden und vorzufinanzieren, um diese Nachfrage bedienen zu können. 

Daher müssen wir als Gesellschaft umdenken und die Art, wie wir leben, unseren Wünschen und der Situation anpassen. Auf der ganzen Welt entstehen verschiedene, neuartige Konzepte, die den Wunsch nach einem Zusammenleben bei gleichzeitig eigener Wohnung möglich machen. Denn mit steigenden Singlewohnungen und fortschreitender Digitalisierung steigt auch das Gefühl der Vereinsamung. 

So ist das Konzept von „Co-Housing“, auch als gemeinschaftliches Wohnen oder kooperatives Wohnen bezeichnet, in Dänemark entstanden. Hier finden sich in vielen Städten und Kommunen bereits Häuser, die von mehreren Menschen und Familien gemeinsam genutzt werden. Seit einigen Jahren wächst der Trend und findet auch in vielen anderen Ländern, so auch in Deutschland, begeisterte Anhänger. 

Das Prinzip von „Co-Housing” ist sehr einfach. Mehrere Parteien, mit ähnlichen Bauinteressen, kaufen oder bauen gemeinsam ein Haus. Dabei liegt der Fokus auf Gemeinschaftlichkeit. Auch wenn jede Partei seine eigene Wohnung erhält, so gibt es eine Vielzahl an Gemeinschaftsräumen, die zum gemeinsamen Leben genutzt werden. Die einzelnen Variationen sind vielfältig. Oft verfügen diese Projekte neben einer gemeinsamen Küche und Aufenthaltsräumen auch über einen Fitnessraum, Spielzimmer, Lesezimmer, Musikzimmer etc. Außerdem gehört meistens ein großer Garten dazu, in dem Gemüse und Obst angebaut werden kann und sogar die Möglichkeit eines Schwimmbeckens oder Volleyballfelds besteht. Einige bieten zudem die Möglichkeit Praxen und kleine Lokale anzumieten und verfügen über einen gemeinsamen Fuhrpark. 

Durch die Gemeinschaft können Kosten erheblich gesenkt werden, sodass auch junge und ältere Menschen sich eine Wohnung leisten können. Gleichzeitig ist es ein unterstützendes Miteinander. So vereinsamen ältere Menschen nicht, sondern können als Teil einer großen Gemeinschaft leben. Kinder wachsen mit vielen unterschiedlichen Menschen auf und alleinerziehende Mütter sowie junge Familien werden durch die Hilfe der anderen Bewohner entlastet. So bereichert jeder das Leben des anderen. 

Co-Housing wird oft durch Genossenschaften abgewickelt, kann aber auch als GmbH auftreten. Oft gründen die Personen, die gemeinsam ein Haus ziehen oder eins bauen wollen, eine Genossenschaft oder treten in eine Bestehende ein. Jeder ist mit einem Beitrag Mitglied und zahlt bei Einzug eine monatliche Miete. Sollte er wieder ausziehen so erhält er den Genossenschaftsbeitrag zurück. Dies sorgt dafür, dass die Mieten häufig unterhalb des Mietsspiegels liegen, da eine Genossenschaft nicht auf Profit abzielt. Außerdem wird meistens ein lebenslanges Wohnrecht vereinbart.

Die Kommunen sind sich der Lage bewusst und begrüßen diese alternativen Baukonzepte, die in der Zukunft stetig zunehmen werden. Das bietet für Investoren, Grundstücksbesitzer und Baufirmen nicht nur neue Projektmöglichkeiten, sondern auch die Möglichkeit einen wesentlichen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten. Zudem kann es ein, dass zukünftig Grundstücke bevorzugt an solche Projekte vergeben werden. 

Die Nachfrage nach solchen Häusern ist groß. So gibt es für bestehende Co-Housingprojekte bereits lange Wartelisten. Ein weiteres Zeichen dafür, dass es sich lohnt in solche Projekte einzusteigen. Der Markt ist da, er ist noch nicht übersättigt und gleichzeitig entsteht etwas Gutes für die Gesellschaft.